Kurzzusammenfassung
- Der Windhainer See im Vogelsbergkreis ist ein 1,5 Hektar kleiner Waldsee, der einst als Wasserreservoir für die Erzgruben der Region diente – heute Angelsee, Naherholungsort und Standort des KunstCafes Windhain.
- Das Gewässer kämpft seit Jahren mit Algenbewuchs und Verschlammung durch Einträge aus Straße und Landwirtschaft; Kalkungen und Sanierungsmaßnahmen sind laufend notwendig.
- Wer Stille, Waldatmosphäre und einen ehrlichen Geheimtipp abseits großer Badeseen sucht, findet hier einen der eigenwilligsten kleinen Seen im westlichen Vogelsberg.
Was ist der Windhainer See – und was steckt hinter seiner Geschichte?
Ein See von 1,5 Hektar ist technisch gesehen eher ein großer Teich. Der Windhainer See wirkt trotzdem größer – vermutlich weil er vollständig von Wald umgeben ist und die Stille am Ufer das Gewässer optisch ausdehnt. Er liegt zwischen den Mückener Ortsteilen Nieder-Ohmen und Bernsfeld, nördlich der A5, eingebettet in das hügelige Waldgebiet des westlichen Vogelsbergs.
Die eigentliche Geschichte des Sees beginnt vor seiner touristischen Nutzung. Er diente einst als Wasserreservoir für die Erzwaschteiche der Grube Luise – einem der zahlreichen Eisenerzbergwerke, die im Vogelsberg bis in die 1960er Jahre aktiv waren. Betreiber der Grube war die Firma Buderus, einer der größten Eisenverarbeiter Hessens. Als die Erzförderung endete und das Gelände seinen industriellen Zweck verlor, wurde das Land am See in den 1960er Jahren zum Baugebiet für Wohn- und Wochenendhäuser erschlossen.
Als der See schließlich zum Verkauf stand, erwarb ihn die Gemeinde Mücke von Buderus – eine Entscheidung, die dem Gewässer seinen halbprivaten, ruhigen Charakter bis heute erhalten hat. Pächter des Sees wurde der Fischerei-Club Nieder-Ohmen 1964 e.V., der ihn seitdem bewirtschaftet. Für viele der Frankfurter Stadtflüchter, die sich damals am See ein Wochenendhaus kauften, war das Gewässer vermutlich der eigentliche Kaufgrund – heute haben die meisten der rund 200 Windhain-Bewohner ihren ständigen Wohnsitz hier.
Angeln am Windhainer See: Bestand, Karten und was Angler wissen müssen
Der Windhainer See ist kein Freizeitbadesee, sondern in erster Linie ein Angelgewässer. Hauptfischart ist der Karpfen – Exemplare bis über 14 Kilogramm sind dokumentiert. Daneben kommen Hecht, Schleie, Flussbarsch, Brachse und Rotauge vor; laut Angaben des Fischerei-Clubs ist fast das gesamte typische Spektrum heimischer Teichfische vertreten. Auf Angler-Plattformen wie ALLE ANGELN zählt das Gewässer rund 200 aktive Follower und wird als gutes Gewässer bewertet – die beliebteste Methode ist Feedern.
Angelkarten sind erhältlich beim Angel-Shop Engel in Mücke (Freiherr-vom-Stein-Str. 2) sowie an der Fischereihütte „Eisenkaute“ in Nieder-Ohmen gegenüber Hof Windhain. Alternativ ist der Erwerb inzwischen auch über die Plattform HejFish online möglich.
Ein ehrlicher Hinweis gehört dazu: Das Gewässer kämpft mit ökologischen Problemen. Einträge von Gummiabrieb und Streusalz aus dem benachbarten Straßenbereich, Düngemitteleinflüsse aus landwirtschaftlichen Flächen sowie kalkarme Böden begünstigen Algenwachstum und Sauerstoffzehrung im Tiefenbereich. Regelmäßige Kalkungen durch den Fischerei-Club und die Interessengemeinschaft Windhain halten das Gewässer in einem akzeptablen Zustand – eine strukturelle Sanierung mit Installation eines Mönchs zur Wasserregulierung ist jedoch aus Sicht des Clubs langfristig unabdingbar. Wer erwartet, an einem kristallklaren Bergsee zu sitzen, kommt an der falschen Adresse an. Wer einen ruhigen Waldansitz schätzt, ist richtig.
Spazieren, Radfahren, KunstCafe: Was der See abseits des Angelns bietet
Der Windhainer See ist frei zugänglich – kein Eintritt, kein Kassenhäuschen, keine Badeordnung. Das macht ihn zu einem der unkompliziertesten Ausflugsziele im Vogelsbergkreis für alle, die einfach einen ruhigen Waldspaziergang mit einem Seeanblick verbinden wollen. Das Ufer ist zu Fuß gut erschlossen; die Runde um den See und durch das angrenzende Wohngebiet Windhain dauert zu Fuß etwa 30 Minuten.
Radfahrer treffen den See auf mehreren MTB- und Freizeitrouten, die durch den westlichen Vogelsberg führen – die Lage nördlich der A5 macht ihn auch als Zwischenziel auf längeren Touren attraktiv.
Das markanteste Ausflugsziel direkt am See ist das KunstCafe Windhain von Veronika Zanke (Müllerbergweg 8, Mücke-Nieder-Ohmen). Das Café verbindet selbst gebackene Kuchen und Torten mit wechselnden Kunstausstellungen und einem Außenbereich mit Seeblick. Wer anreist, sollte vorab reservieren – das KunstCafe ist kein Massenbetrieb, und an Wochentagen endet die letzte Bestellung bereits um 20:30 Uhr, sonntags um 14:00 Uhr. Für eine Kombination aus Spaziergang, Kaffee und regionaler Kunst ist es eine der ungewöhnlicheren Adressen im Vogelsbergkreis.
Lohnt sich der Ausflug – und für wen passt der Windhainer See?
Wer 100 Kilometer für diesen See fährt, sollte wissen, was ihn erwartet: kein Badebetrieb, keine Liegewiese, keinen Imbiss, keine Infrastruktur für Familien mit Kindern. Was der Windhainer See stattdessen bietet, ist eine Qualität, die größere Seen häufig verloren haben – echte Ruhe in einem Waldumfeld, das nicht touristisch aufbereitet ist.
Er passt am besten zu drei Gruppen: Anglern, die ein stilles, gut besetztes Karpfengewässer suchen; Erholungssuchenden aus dem Rhein-Main-Gebiet, die ein Wochenendhaus in der Gegend haben oder sich vorstellen können; und Ausflüglern, die das KunstCafe als eigentliches Ziel nehmen und den See als Kulisse dazu. Als Ergänzung zum Erzwanderweg im westlichen Vogelsberg – der die Geschichte der Eisenerzgruben in der Region aufgreift und unweit vorbeiführt – ergibt sich außerdem ein thematisch stimmiger Halbtagesausflug, der den industriellen Kontext des Sees in die Gegend einbettet.
Häufige Fragen
Kann man am Windhainer See schwimmen? Das Baden ist offiziell nicht gestattet und wird auch nicht durch Infrastruktur wie Umkleiden oder Aufsicht unterstützt. Früher nutzten Dorfkinder den See als natürliches Schwimmbad, bevor Umweltbelastungen und die Neuausrichtung als Angelgewässer das änderten. Wer einen Badesee in der Region sucht, ist am Pfordter See bei Schlitz besser aufgehoben.
Wo bekomme ich eine Angelkarte für den Windhainer See? Angelkarten gibt es beim Angel-Shop Engel in Mücke (Freiherr-vom-Stein-Str. 2, Tel. 06400/6945) sowie an der Fischereihütte „Eisenkaute“ in Nieder-Ohmen gegenüber Hof Windhain. Alternativ ist der Kauf über die App und Webseite HejFish online möglich.
Was ist das KunstCafe am Windhainer See? Das KunstCafe Windhain (Müllerbergweg 8, Mücke-Nieder-Ohmen) ist ein kleines Café direkt am See mit wechselnden Kunstausstellungen, selbst gebackenem Kuchen und Außenbereich mit Seeblick. Inhaberin ist die Fotografin Veronika Zanke. Eine Reservierung vor dem Besuch wird empfohlen.

